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Friedhofsgruppe kümmert sich um Gräber von Obdachlosen

Nach dem Tod vergessen zu werden – diese Angst treibt viele Menschen um. Besonders diejenigen, die auf der Straße gelebt haben. „Sie haben oft keinen Kontakt mehr zu ihrem alten Umfeld, fragen sich vielleicht, wer noch an sie denkt, wenn sie verstorben sind“, sagt Anne Bütthof. Damit diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten, engagiert sich die 70-Jährige gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlichen in der Friedhofsgruppe des Gasthauses in Recklinghausen.

Zwei Frauen und ein Mann knien gemeinsam in einem Garten an einem kleinen Beet. Eine Person links stellt ein rotes Grablicht ab, die Person in der Mitte stützt sich mit einer Hand ab, und die Person rechts arbeitet mit einer kleinen Harke im Boden. Vor ihnen liegt eine rechteckige Steinplatte im Beet, umgeben von Pflanzen und Bäumen im Hintergrund.

Barbara Kröner, Johannes Reimer und Anne Bütthof (von links) engagieren sich in der Friedhofsgruppe des Gasthauses und pflegen Gräber von Menschen, die auf der Straße gelebt haben. Bild: Bistum Münster

Regelmäßig machen sie sich auf den Weg zum Nordfriedhof und kümmern sich um 29 Gräber. Ein kleines gelbes Schildchen kennzeichnet die Urnen- und Erdgräber, die von ihnen gepflegt werden. „Aber sie sind auch an den einheitlichen Grabsteinen erkennbar. Ein Steinmetz fertigt sie aus alten Steinen“, erklärt Johannes Reimer.

Mehrmals im Jahr – zumeist zur Pflanzzeit – treffen sich die Mitglieder der Friedhofsgruppe. Der 71-Jährige ist seit drei Jahren dabei. Als ehemaliger Friedhofsgärtner ist er der Fachmann, der sich zudem um den Garten des Gasthauses kümmert. Die Ehrenamtlichen pflanzen Blumen, befreien die Gräber von Unkraut und Blättern. „Wir machen sie wieder ansehnlich. Mir macht das viel Freude“, sagt Barbara Kröner.

Viele der Verstorbenen waren Gäste im Gasthaus – beim Frühstück, beim Mittagessen oder in der Kleiderkammer. „Es gibt sogar den einen oder anderen, der hier gelebt hat“, berichtet Barbara Kröner. Persönlich habe sie kaum jemanden gekannt. Aber das ändert nichts an ihrem Engagement. „Solange ich helfen kann, möchte ich es tun. Niemand soll vergessen werden“, sagt die 69-Jährige. „Ich möchte etwas von dem zurückgeben, was ich in meinem Leben bekommen habe. Helfende Hände werden immer gebraucht“, fügt Anne Bütthof, die sich auch am Empfang des Gasthauses engagiert, hinzu.

Jedes Jahr an Allerheiligen besucht die Friedhofsgruppe gemeinsam mit den Mitgliedern der Kommunität des Gasthauses und „Freundinnen und Freunden der Straße“ den Nordfriedhof. Sie stellen an jedem Grab Kerzen auf und legen Rosen ab. „Wir erinnern uns an die einzelnen Persönlichkeiten. Und es werden Geschichten erzählt, die jemand mit diesem Menschen erlebt hat. Das ist jedes Jahr sehr bewegend“, berichtet Schwester Judith Kohorst, Franziskanerin in der Gastkirche und im Gasthaus.

„Jeder der Verstorbenen hat eine Geschichte. Niemand wird als Obdachloser geboren. Es ist egal, ob sie umgänglich oder schwierig waren. Wir nehmen sie an, wie sie sind. Die Obdachlosigkeit war ihr Schicksal. Trotzdem kann ich sie als Menschen wertschätzen“, betont Anne Bütthof.

Denn hinter jedem Namen auf einem Grabstein steht ein Leben, das zählt. Die Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass diese Menschen nicht nur in der Erde ruhen, sondern auch in den Herzen weiterleben – mit Würde und in Erinnerung.

Michaela Kiepe