In Vertretung des Diözesan-Administrators würdigte dessen Ständiger Vertreter Dr. Klaus Winterkamp alle Preisträger in seinem Grußwort: „Sie leben – ob christlich motiviert oder nicht – echte Nächstenliebe, zeigen echte Begeisterung, stiften echte Zusammengehörigkeit.” Oftmals leisteten sie ihr Engagement im Verborgenen. „Und da, wo ihre Arbeit denn doch einmal sichtbar und wahrgenommen wird", sagte Winterkamp, „müssen sie sich vielfach auch noch Kritik und Besserwisserei anhören – oft genug von Menschen, deren eigene praktische Erfahrungen mit Engagement für die Allgemeinheit, vorsichtig formuliert, überschaubar sind.“ Das Bistum und er persönlich seien für den Einsatz der Preisträger zutiefst dankbar: „Sie machen etwas, sie machen es mit hohem Einsatz, sie machen es für andere.”
Erster Preis: “Gegen das Vergessen”, Ibbenbüren
Den ersten, mit 5.000 Euro dotierten Preis erhielt das Holocaust-Projekt „Gegen das Vergessen“ aus Ibbenbüren (Kreis Steinfurt). Schülerinnen und Schüler der Erna-de-Vries-Gesamtschule und des Johannes-Kepler Gymnasiums haben sich dafür ausbilden lassen, als Guides mit zehn Erwachsenen ehrenamtlich durch eine Ausstellung mit Porträts von Überlebenden der NS-Verfolgung zu führen.
„Nur wenn es uns gelingt, Empathie für die ermordeten Juden aufrecht zu erhalten, werden wir es schaffen, dass Ähnliches nie wieder geschehen kann”, sagte Brigitte Lehmann, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, in ihrer Laudatio. Leider erstarke in unserer Gesellschaft „das rechte Gedankengut wieder, einhergehend mit rassistischen Parolen und Taten.”
Demgegenüber hätten die Preisträger es geschafft, „ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus und für Menschlichkeit und demokratisches Handeln zu setzen.” Lehmann betonte: „Meines Erachtens hat jeder Mensch sogar die Pflicht, sich mit diesen Taten, die zutiefst unmenschlich, unchristlich und verabscheuungswürdig sind auseinanderzusetzen, um nach- und mitzufühlen, was geschehen ist.”
Zweiter Preis: Kindersecondhandläden in Kleve und Kevelaer
Der zweite Preis und 3.000 Euro gingen an die Kindersecondhandläden des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Kevelaer („KuK“) und Kleve („Flic-Flac“). Rund 50 Ehrenamtliche bieten seit mehr als 20 Jahren gespendete Baby-Ausstattung, Kinderkleidung, Spielsachen, Kinderwagen und Kinderbetten an.
„Durch Ihre offene Art und das herzliche Zugehen auf Ihre Kundinnen und Kunden schaffen Sie eine Atmosphäre, in der sich die Menschen nicht als Bittsteller fühlen, denen gnädiger Weise Almosen gegeben werden, sondern als Einkaufende auf Augenhöhe”, würdigte Theresa Freese vom Vorstand des Diözesankomitees die Preisträger. Insbesondere alleinerziehende Frauen bekämen die Möglichkeit, sich preisgünstig auszustatten. „Von daher hat Ihr Engagement auch sehr nachhaltig mit dem Thema Kinderwohl zu tun”, sagte Freese.
Dritter Preis: Fußwallfahrt von Altenrheine nach Telgte
2.000 Euro erhielten die Menschen hinter dem dritten Preis, der an das ehrenamtliche Vorbereitungsteam der traditionsreichen Fußwallfahrt von Altenrheine (Kreis Steinfurt) zur Schmerzhaften Muttergottes im Wallfahrtsort Telgte (Kreis Warendorf) ging. Seit 1676 existiert die 52 Kilometer lange Wallfahrt mit bis zu 200 Teilnehmenden, die Jahr für Jahr rund 20 Laien organisieren.
Diözesankomitee-Vorsitzender Ulrich Vollmer betonte in seiner Laudatio, bei dieser traditionsreichen Wallfahrt gehe es „nicht um Nostalgie oder um einen glorifizierenden Blick in eine angeblich bessere Zeit, als die Volkskirche noch lebte, als angeblich alles noch ‘normal und richtig’ war”. Ausdrücklich danke er der Jury für diese Entscheidung, mit der „auch die vielen Wallfahrten, der Gemeinden, der Verbände und Vereine – die es in unserem Bistum gibt – gewürdigt” würden. Und er dankte den Preisträgern “für Ihr Beispiel, wie Leib und Seele, Körper und Geist zusammengenommen bis heute Menschen zusammenbringen, tragen und Gott in unserer Welt sichtbar machen.”
Beworben hatten sich diesmal 112 Projekte. Über die Preisträgerinnen und Preisträger entschied eine Jury aus Theresa Freese, Brigitte Lehmann, Klaus Winterkamp und Kirche+Leben-Chefredakteur Markus Nolte, der als Moderator durch die Preisverleihung führte. Musikalisch bereicherte das Jazz-Trio aus Wigbert Grohs, Martin Feske und Ivo Kassel die Veranstaltung.
Text: Markus Nolte
