Ehrenamt Bistum Münster Engagement fördern –
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Der Mensch steht im Mittelpunkt - Grundlagen

Kirche lebt davon, dass sich Menschen füreinander einsetzen, Leben und Glauben miteinander teilen. Besonders bei einer freiwilligen, unentgeltlichen Tätigkeit kommt es auf ein engagementfreundliches Klima an, also auf eine Kultur der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Respekts, der Achtung von verschiedenen Meinungen und der Bereitschaft zu vertrauensvoller, gemeinsamer und geteilter Verantwortung. Freiwilliges Engagement in Kirche ist immer am Menschen ausgerichtet. Denn Jesus sagt im Matthäus-Evangelium: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Ausgangspunkt für die Tätigkeit im Rahmen eines freiwilligen Engagements in Kirche ist deshalb ein christliches Menschenbild. Jede und jeder hat Talente, Fähigkeiten und Interessen, die eingebracht werden können. Auch Sorgen und Bedürfnisse der Engagierten haben ihren Platz. Die reine Orientierung an Aufgaben und traditionell gewachsenen Ämtern greift zu kurz. Es braucht die Bereitschaft zu einem offenen und wertschätzenden Miteinander. Dieses Miteinander macht deutlich, dass Gott grundsätzlich alle Menschen ansprechen möchte. 

Etwas für sich und andere zu tun und darin Sinn zu erleben, ist ein tragendes Motiv für viele Engagierte. Die Freude am eigenen Tun, das Entdecken von Sinn, das Erleben von Wertschätzung und Anerkennung und das Gefühl von Gemeinschaft in gegenseitiger Unterstützung, mit Kreativität und Begeisterung – das alles macht freiwilliges Engagement attraktiv. Es gibt eine Vielzahl von Menschen unterschiedlichen Alters mit verschiedenen Motiven, Erwartungen und Motivationen, die sich mit ihren je eigenen Möglichkeiten, Ideen und Begabungen freiwillig engagieren möchten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen! 

Selbstbestimmte Suche nach passenden Aufgaben

Dabei suchen sie heute noch stärker als früher selbstbestimmt nach Aufgaben und Tätigkeiten, die zu ihnen passen und ihnen Freude bereiten. Dazu gehört auch, dass sie eigenständig gestalten und entscheiden können. 

Für die Förderung des freiwilligen Engagements bedeutet dies,

  • dass es eine  stärker werdende Orientierung an der Berufung jedes Menschen und den Charismen der getauften und gefirmten Gläubigen braucht,
  • dass sich die Rollen von hauptberuflich Engagierten ebenfalls stark verändern,
  • dass die  die Ausübung des Engagements auch für die engagierte Personen einen Mehrwert beinhaltet (Erwerbung von Qualifikationen, Spaß etc.)
  • dass kirchliches Engagement durch eine Offenheit für neue Ideen und Menschen geprägt ist und so ein multikulturelles Miteinander gelebt werden kann.

 

Vor allem führt diese Grundhaltung – der Mensch im Mittelpunkt – dazu, dass die Talente und Charismen, Ideen und Bedürfnisse freiwillig Engagierter bzw. derer, die sich engagieren möchten, eine wesentliche Rolle bei der Frage spielen, an welchen Orten und in welchen Feldern sich kirchliches Leben entwickelt.

Warum hier überall vom freiwilligen Engagement die Rede ist?!

Der Begriff des Ehrenamts ist kulturell gewachsen und gehört für viele zum allgemeinen Sprachgebrauch. Der Begriff freiwilliges Engagement bildet im Gegensatz zum Begriff des Ehrenamts die Weite von Engagementfeldern und -formen ab.Nicht immer muss es sich um ein Amt handeln. Kennzeichnend für die Rede vom freiwilligen Engagement sind folgende Aspekte:

  • Die Tätigkeit ist freiwillig: Das Engagement und die Übernahme von Aufgaben beruhen auf einer eigenen, freiwilligen Entscheidung.
  • Die Tätigkeit ist öffentlich, beziehungsweise findet im öffentlichen Raum statt: Damit ist das Engagement abgrenzbar von Tätigkeiten, die im familiären oder beruflichen Rahmen ausgeübt werden.
  • Die Tätigkeit wird in der Regel gemeinschaftlich/kooperativ ausgeübt: Der Bezug zur Gemeinschaft meint hierbei zum einen „das Wohl der Mitglieder einer mehr oder weniger umfassenden Gruppe von Gesellschaftsmitgliedern“ und zum anderen die Tätigkeit selbst, welche in der Regel eine „Tätigkeit mit anderen“ darstellt 
  • Die Tätigkeit ist nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet: Sie dient nicht dazu, ein monetäres Einkommen zu erzielen oder den eigenen Nutzen zu erhöhen. Ein immaterieller persönlicher Nutzen durch das Ausüben einer als sinnvoll empfundenen Tätigkeit kann aber durchaus angestrebt werden.
  • Die Tätigkeit ist gemeinwohlorientiert: Da unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, was zum Gemeinwohl beiträgt, wird in der Regel die Intention der handelnden Personen in den Blick genommen. Gemeinwohlorientierung und Eigeninteresse können dabei durchaus Hand in Hand gehen: Ein Engagement kann sowohl den Interessen der engagierten Person als auch dem Gemeinwohl dienen.

 

Ergänzend zur Definition des Freiwilligensurveys lässt sich folgendes Kriterium anführen:

  • Die Tätigkeit findet ohne Zwang statt und ist kein Dienstverhältnis im klassischen Sinn. Die Übernahme einer Aufgabe erfolgt durch eine Vereinbarung, von der zu jeder Zeit zurückgetreten werden kann.

 

Der Begriff Ehrenamt kann im traditionell verstandenen Sinn eine engführende Vorstellung und Erwartung an das freiwillige Engagement bedeuten. Mit dem Begriff des Amts wird vielfach ein hohes Maß an Verpflichtung, eine öffentliche Legitimation (durch Wahl oder Ernennung) und ein hoher Zeitaufwand verbunden. Wenn nur auf bestimmten Aufgaben und damit verbundene traditionell gewachsenen Ämter geschaut wird, werden einige Engagementfelder nur unzureichend wahrgenommen. Der Begriff des freiwilligen Engagements betrachtet nicht in erster Linie die Aufgaben und zu übernehmenden Ämter, sondern betont das Potenzial und die Talente jener, die Interesse an einem Engagement haben. Unter freiwilligem Engagement können sowohl eine längerfristige Aufgabe als auch projekthafte und einmalige Tätigkeiten verstanden werden.

Neue Formen des freiwilligen Engagements entwickeln sich

Seit geraumer Zeit unterliegen Ehrenamt, freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement einem gesellschaftlichen Kulturwandel. Dabei entwickeln sich neben dem klassischen Ehrenamt neue Formen des freiwilligen Engagements. In Bezug auf die freiwillig Engagierten, die Organisationen als auch die Engagementfelder lässt sich eine dynamische Entwicklung erkennen:

Freiwillig Engagierte suchen selbstbestimmt, mehr denn je nach einer biografischen und persönlichen Passung ihres Engagementbereichs. Neben langfristigen und dauerhaften Ämtern und Aufgaben rücken vermehrt zeitlich und thematisch begrenzte Projekte in den Fokus des Interesses. 

Engagierte wollen an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen als gleichwertige Akteure beteilig sein. Um Engagement zu fördern, ist es hilfreich, bestehende Systeme zu öffnen und gegebenenfalls größere Netzwerke zu bilden. 

Zu kulturell und historisch gewachsenen Engagementfeldern kommen Themen und Felder hinzu, die aus dem Interesse freiwillig Engagierter und den Bedürfnissen des lokalen Sozialraums erwachsen. 

Kirchliche Träger sind gut beraten, diese Veränderungsdynamiken aufzugreifen, um Orte und Gelegenheiten für unterschiedliche Engagementformen zu eröffnen und diese engagementfreundlich zu gestalten. Die kirchliche Landschaft verändert sich. Die Räume, in denen Kirche präsent sein möchte, werden größer. Das freiwillige Engagement wird in seiner Vielfalt umso nötiger und zentraler, wenn Kirche dem Auftrag, das Evangelium zu verkünden und somit Leben und Glauben zu teilen, weiterhin gerecht bleiben möchte. Es gilt, Räume für ein freiwilliges Engagement zu öffnen und die Zusammenarbeit mit anderen Trägern und Gruppierungen, letztendlich allen „Menschen guten Willens“ zu fördern.

Weiterführende Literatur:
Denner, Gabrielle: „Traditionelles“ und „neues“ Ehrenamt. Der Strukturwandel des freiwilligen Engagements, in: Dies (Hg.): Hoffnungsträger, nicht Lückenbüßer. Ehrenamtliche in der Kirche, Ostfildern 2015
Hansua, Barbara: Perspektivwechsel - Mit Freiwilligenmanagement auf dem Weg von der Betreuungskirche zur Beteiligungskirche, in: Kirche in Bewegung, Gemeindekolleg VELKD, 2009.
Caritasverband für die Diözese Münster e.V. (Hg.): Win-win für alle! Praxishandbuch Ehrenamtskoordination, Münster 2013.
Simonson, Julia [u.a.] (Hgg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2019, Berlin 2021